Mass Effect: Andromeda

Genre
Rollenspiele
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Electronic Arts
Erscheinungsjahr
2017.03
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Ambitioniertes SciFi-Rollenspiel, das leider nicht die Tiefe der früheren Teile erreicht
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Bioware-/Mass Effect-Fans
Sprache
Deutsch
Grafik
SciFi-Realistisch
Sound
SciFi-Ambiente kombiniert mit Orchestermusik

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Der oder die menschliche Pathfinder_in, die Crew auf der Tempest
Mehrspielermodus
Onlinemehrspielermodus
Spielforderungen
Hand-Augen-Koordination
Zusatzkosten
Mikrotransaktionen für Verbesserungen im Onlinemodus
Problematische Aspekte
Unreflektierte Gewaltanwendung
Redaktion
Kok Hung Cheong
Spieleratgeber-NRW
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Bei Mass Effect handelt es sich eigentlich um eine Trilogie, da sich das Franchise aber immer mehr Beliebtheit erfreut, entschied sich Electronic Arts einen vierten Teil zu produzieren. Bei Mass Effect: Andromeda handelt es sich wie bereits bei den Vorgängern um ein Rollenspiel mit Shooter-Anleihen, das aus der Third-Person-Perspektive gesteuert wird. Als neue Kulisse dient die Andromeda-Galaxie, welche als Besiedlungsziel von einer Allianz aus Menschen und Aliens auserkoren wurde.

Pädagogische Beurteilung:
Probleme auf dem Hyperion
Angekommen in der Andromeda-Galaxie, werden die ersten Menschen und Aliens aus dem Kyroschlaf geweckt. Diese versuchen für die nachfolgenden Aufwach-Wellen eine gut organisierte Struktur zu erschaffen. Die Spieler_innen steigen erst einige Jahre später ein und finden sich zwischen streitenden Parteien innerhalb der neuen Gesellschaft wieder. Neben einer geheimnisumwobenen, energieschluckenden Materie und einer Rebellion auf der Arche der Menschen, treffen die Spieler_innen auch auf zwei neue, mehr oder weniger feindliche, Alienrassen. Dies führt dazu, dass am Anfang des Spiels eine große Informationswelle auf die Spielenden zukommt. Viele Anspielungen, die auf die ersten drei Teile der Serie verweisen, bleiben Neulingen der Serie so vorenthalten. Der Haupthandlungsstrang beinhaltet Themen wie Rassismus, Verlust und politische Verstrickungen. Zusätzlich werden in den Nebenmissionen philosophische Aspekte ins Spiel gebracht, beispielsweise wie viel Wert einem Leben zugeschrieben werden sollte. Es werden keine einfachen Lösungen für diese Themen angeboten und auch das Hinterfragen der vorgelebten Moral gehört zum Spiel dazu. Die Themen sind für Jugendliche ab 16 Jahren nah genug an ihrer Medienerfahrung, um sie nicht zu verstören und gleichzeitig anzuregen, sich Gedanken über die Themen zu machen.

Getäuschte Freiheit
Die Entwickler_innen von Mass Effect brüsten sich immer mit der Entscheidungsfreiheit, die die Spieler_innen bekommen. Gerade in Andromeda sind viele der Entscheidungen jedoch nur oberflächlich und haben oft keine Konsequenzen im Spielverlauf. Einzig die Videosequenzen werden um Szenen erweitert oder gekürzt. Auch sind die Konsequenzen von Missionen nicht wirklich wahrnehmbar. Vielleicht wollten die Entwickler_innen hier eine Aussage über das unveränderliche Schicksal treffen oder es ist ein Entwicklungsfehler oder wurde einfach nicht beachtet. Ebenfalls ist das Gesprächssystem, welches aus vier Antwortmöglichkeiten (Logisch, Unernst, Professionell und Gefühlsbetont) besteht, ein nichtssagendes System, da die Antworten nur den Charakter ausmalen, aber keinen bleibenden Eindruck bei den NPCs (den Nebencharakteren) hinterlassen. Die komplett vertonten Dialoge sind von den Synchronsprecher_innen gut eingesprochen worden. Leider ist das Script voller Momente, die zum Fremdschämen anregen. Dies liegt nicht nur an der deutschen Übersetzung, auch in der Originalfassung bekleckern sich die Autoren der Dialoge nicht mit Ruhm. Dies führt auch zu einem anderen Problem...

Menschen in der Uncanny Valley
Die Animationen sind ein Graus. Gerade in den Dialogen gibt es immer wieder Nahaufnahmen, die aufzeigen, welche komischen Augenbewegungen und Grimassen während eines Gesprächs möglich sind. An ernsteren Stellen wirken solche Bewegungen unfreiwillig komisch. In Bewegung wirken manche der Animationen, als hätten die Entwickler_innen keinen Übergang zwischen den einzelnen Stadien der Bewegungen geschaffen, sodass die Animationen zum Teil stark ruckeln. Die Grafik hingegen ist nett anzusehen, aber nicht sonderlich eindrucksvoll. Für unerfahrene Spieler_innen könnten gerade die Gesichtsanimationen verschreckend wirken.

Ambiente und Sound
Das Soundambiente ist gefüllt mit bekannten Tönen aus Science-Fiction-Filmen und -Serien. Durch die zu weiten Teilen offene Spielwelt ist die musikalische Untermalung auf ein geringes Maß reduziert worden. Gerade bei den Kämpfen oder in Zwischensequenzen zeigt der Ton jedoch, wie gut die Mischung aus elektrischen Klängen und Orchestermusik bei der Untermalung ist und zur Atmosphäre beiträgt.

Gewalt und Sex
Die Gewaltdarstellung ist nichts für Kinder und Jugendlichen unter 16 Jahre. Gegner können angezündet werden, zeigen aber keine Verbrennungsspuren, dafür fehlt nach Kopftreffern mit einer starken Waffe der Kopf komplett. Blut ist dafür in keiner Szene zu sehen. Erforderlich sind auf jeden Fall eine angemessene Hand-Augen-Koordination und gute Reflexe, um das Spiel zu überstehen.
Typisch für ein von Bioware entwickeltes Spiel ist die Möglichkeit, mit vielen der Hauptprotagonist_innen eine romantische Beziehung aufzubauen. So sind auch homosexuelle Beziehungen möglich. Diese Option ist immer noch eine Seltenheit bei Computerspielen. Um eine Beziehung zu starten, muss die Spielfigur erst mal deklarieren, dass sie eine romantische Verbindung haben will. Gerade hier gibt es viele der oben genannten Fremdschäm-Momente. Über die Loyalitätsmissionen kann sich die Spielfigur den anderen Besatzungsmitgliedern annähern. Wenn die Beziehung bis zur letzten Mission durchgehalten hat, dann besteht das einzige Mal die Möglichkeit, für Sex mit dem Partner. Hier ist die einzige Stelle im kompletten Spiel, in der blanke Haut gezeigt wird. Sex wird in der unspielbaren Zwischenszene nicht explizit gezeigt und ist genauso zu bewerten wie Filme oder Serien ab 16 Jahren.

Noch mehr gefällig?
Neben den 100+ Stunden Spielzeit inklusive der diversen Nebenquests, gibt es auch noch einen Onlinemehrspielermodus. In diesem Modus kämpfen mehrere Spieler_innen kooperativ gegen eine immer weiter anwachsende Welle von Gegnern. Um bessere Waffen oder Rüstungen in diesem Modus zu bekommen, kann man entweder Zeit investieren oder mit Geld Pakete kaufen, dessen Inhalt zufällig ist. Typisch für die Transaktionen wird Echtgeld in eine Spielwährung umgewandelt, um die insgesamt bezahlte Summe zu verdecken.

Fazit:
Insgesamt fühlt sich Mass Effect: Andromeda wie ein halbfertiges Spiel an. Krude Animationen gepaart mit Dialogen aus dem Mittagsfernsehen, schwache Gegnerintelligenz und einer Karte voller Nebenmissionen, die keine Auswirkungen haben, erfüllen nicht die Anforderung als ein AAA-Titel. Als einziger Lichtblick ist das vereinfachte Kampfsystem anzuerkennen. Wer jedes Mass Effect-Spiel haben muss und schon 16 Jahre alt ist, macht beim Kauf sicher nichts falsch. Alle anderen haben dieses Jahr genügend spielerische und narrative Alternativen im Bereich Science-Fiction und Rollenspiele.

Nachtrag:
Bioware hat bereits angekündigt, viele der oben genannten Fehler durch Patches zu verbessern, doch diese sind noch in der Bearbeitung und sollten erst im Laufe der nächsten Monate zum kostenlosen Download angeboten werden. Trotzdem gibt es grundlegende Problem, die nicht durch Patches gelöst werden können.