Get Even

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Bandai Namco
Erscheinungsjahr
2017.06
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Interaktiver Psycho-Thriller, der starke Nerven erfordert
Zusatzinformationen ausklappen
Interessant für
Fans von interaktiven Geschichten, Fans vom Psycho-Genre
Sprache
Sprachausgabe nur auf Englisch, Untertitel auch auf Deutsch
Grafik
düstere Optik, grafisch altbacken
Sound
brillantes, atmosphärisches Sound-Design

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Cole Black
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
Stressresistenz, Geduld, Freude am Lesen
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
sehr bedrohliche Stimmung
Autor
Ingmar Böke
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4

Spielbeschreibung:
Der Söldner Cole Black wacht mit Gedächtnisverlust in einer psychiatrischen Klinik auf. Seine letzte Erinnerung: der gescheiterte Versuch ein entführtes Mädchen zu befreien, das mit einer umgeschnallten Bombe auf einen Stuhl gefesselt wurde. In der Anstalt ist der Protagonist per Funk mit einem geheimnisvollen Mann namens "Red" verbunden. Dieser macht Cole Black mit einer Virtual-Reality-Technologie vertraut, dank der sich Erinnerungen erneut durchleben lassen. Aus der Ich-Perspektive müssen Spieler_innen die Geschehnisse nun stückweise rekonstruieren, nach Hinweisen suchen, Rätsel lösen, Gegner bekämpfen oder sich an ihnen vorbeischleichen.

Pädagogische Beurteilung:
Multiple Erzählebenen
Wer war das Mädchen und was hat es mit ihrer Entführung auf sich? Welche Rolle hat Cole Black gespielt und warum interessiert sich der mysteriöse Red für die Ereignisse? Dies sind nur einige der Fragen, die es in Get Even zu beantworten gilt. In seiner verschachtelten Erzählstruktur erinnert das Spiel an filmische Rätsel im Stil von Inception und verbindet dabei Elemente aus Science-Fiction und Horror. Regelmäßig wechseln sich verschiedene Erzählebenen ab, vermischen sich Reales und Surreales, nimmt der Plot eine unerwartete Wendung. Der Einstieg in die komplexe Handlung könnte viele Spieler_innen zunächst überfordern. Nach einem kurzen Prolog, in dem die missglückte Rettung des Mädchens nacherzählt wird, warten in der psychiatrischen Anstalt Unmengen an Fragen. Erklärungen bleiben zunächst Mangelware, sodass Konfusion nahezu vorprogrammiert ist. Mit zunehmender Spieldauer werden einzelne Story-Fetzen jedoch zunehmend zu einem größeren Ganzen zusammengeführt und die beteiligten Personen gewinnen an Kontur.

Erforschung der Spielwelt
Viel Zeit werden Spieler_innen damit verbringen, die linearen Umgebungen auf Hinweise zu durchsuchen. Da unzählige Dokumente und Zeitungsausschnitte über das Spiel verteilt sind, sollte die Bereitschaft vorhanden sein, große Mengen an Text zu lesen. Die Sprachausgabe erfolgt ausschließlich in englischer Sprache, sämtliche Spielinhalte wurden allerdings mit deutschen Untertiteln versehen.
Das wichtige Hilfsmittel beim Erforschen der Spielwelt sind die Apps auf Coles Smartphone. So fungiert das Handy etwa als Taschenlampe oder als Karte, auf der die Positionen von gegnerischen Patrouillen markiert sind. Eine Scan-Funktion erlaubt wiederum das Analysieren von Objekten, die Hinweise enthalten könnten. Wärmesensor und UV-Licht werden primär für das Lösen von Rätseln benötigt. Beispielsweise wenn es darum geht, heiße von kühlen Dampfventilen zu unterscheiden oder einen Fingerabdruck mit UV-Beleuchtung sichtbar zu machen. Die Knobeleien bewegen sich im Übrigen durchgängig auf einem moderaten Schwierigkeitsgrad.

Schwächen im Gameplay
Während Get Even inhaltlich wie atmosphärisch überzeugt, enttäuschen Action- und Schleich-Elemente gleichermaßen. Schussgefechte funktionieren exakt wie in einem klassischen First-Person-Shooter, erreichen aber nicht den Spielfluss eines qualitativ hochwertigen Genre-Titels. Als schwerwiegender erweist sich jedoch die limitierte Intelligenz der Gegner. Selbige verhalten sich oft alles andere als clever, stellenweise sogar absurd. Ist dies in den Schießereien noch zu verschmerzen, so leiden die Schleichpassagen noch stärker unter diesem Mangel. Mal wird der Protagonist aus weiter Ferne entdeckt, ein anderes Mal steht er direkt vor einem Widersacher und wird trotzdem nicht gesehen. Ein strategisches Voranschleichen erweist sich somit als schwierig.
Wird der Spielcharakter erst einmal entdeckt, wird ein Alarm ausgelöst und das Feuer eröffnet - wer nicht mit Waffengewalt antwortet, überlebt nicht. Ironischerweise werden Spieler_innen von Red sogar wiederholt dazu aufgefordert, gewaltlos vorzugehen. Als Belohnung winkt am Ende des Spiels ein leicht abgeänderter Verlauf. Leider hätte das, was in der Theorie begrüßenswert klingt, eine deutlich bessere Schleichmechanik benötigt, um auch in der Praxis zu funktionieren.

Bedrohliche Atmosphäre
Grafisch wirkt der Titel ein wenig altbacken, nicht zuletzt durch seine leblosen Umgebungen. Dass viele Szenarien trist, grau und heruntergekommen sind, mag nicht immer besonders ansehnlich erscheinen, passt andererseits aber zur beklemmenden Stimmung des Spiels. Stets werden Spieler_innen von einem Gefühl der Bedrohung begleitet. Durch die Intensität des Sound-Designs wird diese Empfindung verstärkt. Bekommt es der Protagonist beispielsweise in der Anstalt mit entflohenen Insassen zu tun, sorgt ein bösartiges Stimmenwirrwarr für innere Anspannung. Einen wichtigen Beitrag zur dichten Atmosphäre des Spiels trägt auch der melancholische Soundtrack des Komponisten Olivier Derviere bei. Die USK hat Get Even mit einem 16er-Siegel versehen. Auch Spieler_innen ab 16, die düsteren Thrillern und Horrorgeschichten nichts abgewinnen können, sollten einen großen Bogen um das Spiel machen. Auf exzessive Gewalt wird verzichtet, auf psychologischer Ebene kann Get Even jedoch als sehr verstörend und nervenaufreibend empfunden werden. Für emotionalen Stress können auch bedrohliche Ereignisse sorgen, die sehr abrupt auftreten. Als Beispiel sei eine Szene genannt, in der ein Raum mit Puppen passiert wird, die urplötzlich zum Leben erwachen und die Spielfigur angreifen.

Fazit:
Get Even hat von der USK eine 16er-Freigabe erhalten. Emotionalen Stress könnte der interaktive Psycho-Thriller aber auch bei einigen älteren Spieler_innen auslösen. Auf exzessive Gewaltdarstellung wird zwar verzichtet, die Spielwelt und Atmosphäre fallen jedoch sehr düster und bedrohlich aus. Lohnenswert könnte Get Even für nervenstarke Spieler_innen sein, denen eine spannend erzählte Geschichte wichtiger als das Gameplay ist. Außerdem sollte die Bereitschaft vorhanden sein, große Mengen an Text zu lesen.