Faszination Yu-Gi-Oh!

Bei den Spieletestern der Düsseldorfer Elsa-Brandström-Schule kam der Wunsch auf, das, nicht nur bei Grundschülern, beliebte und überaus erfolgreiche (Sammel-)Kartenspiel Yu-Gi-Oh! zu testen.

Von Koray Çoban

Yu-Gi-Oh! gehört mit über 25 Milliarden verkauften Karten weltweit zu den erfolgreichsten (Sammel-)Kartenspielen. Das ursprünglich als Merchandiseartikel für den gleichnamigen Manga bzw. Anime gedachte Spiel, entpuppte sich als wahre Goldgrube für Konami. In vielen Ländern, wie etwa dem Ursprungsland Japan, aber auch in den USA oder Deutschland, werden mittlerweile nationale wie internationale Turniere ausgetragen.

Die Hintergrundgeschichte von Yu-Gi-Oh! basiert auf den Erlebnissen des sechzehnjährigen Schülers Yugi. Dieser erhält ein mystisches Puzzle, das noch niemand zusammensetzen konnte. Yugi gelingt es und das bringt die eigentliche Geschichte ins Rollen. Durch das Puzzle wird der Geist eines alten Pharaos geweckt. Dieser hat jedoch sein Gedächtnis verloren. Die beiden versuchen nun mit Hilfe eines Kartenspiels, die Erinnerungen des Pharaos wiederherzustellen. Das Puzzle stellt allerdings auch eine Gefahr dar, denn es hat die Macht, die Welt zu zerstören. Nun gilt es, das Puzzle nicht in falsche Hände geraten zu lassen und feindliche Angriffe zu verhindern.

Diese Hintergrundgeschichte spielt zwar beim eigentlichen Kartenspiel eine eher untergeordnete Rolle, erklärt jedoch, warum einige der Karten der ägyptischen und japanischen Mythologie entstammen.

Wie erklärt man aber nun die (kindliche) Faszination an Yu-Gi-Oh! in einem Test? Die Spieletester waren sich einig, dass ein ‚normaler‘ Test dabei unter Umständen zu kurz greifen könnte, da einzelne Elemente des Spiels dabei vergessen werden könnten. Nach einigen Diskussionen entschied sich die Gruppe daher, das Phänomen durch Experteninterviews näher zu beleuchten. Hans, Nick Klom und Patrik San standen Rede und Antwort.

(Anmerkung des Autors: die Namen sind geändert und die Kinder durften ihren Alias jeweils selbst bestimmen.)

Wer oder was ist Yu-Gi-Oh! eigentlich?

Patrik San: Ein Kartenspiel…

Nick Klom: …eine Serie und ein Comic.

Hans: Also erst war es ein Comic, genauer ein Manga, dann eine Anime-TV-Serie, dann ein Kartenspiel. Es gibt sogar Kinofilme davon. (Anm. des Autors: Der aktuellste Film kam im März 2017 in die deutschen Kinos.)

Könnt Ihr das Spiel kurz beschreiben?

PS: Bei Yu-Gi-Oh! zieht man am Anfang erst einmal fünf oder sechs Karten. Das ist dann die Starthand.

NK: Im ersten Zug wird dann erst einmal eine Karte aus dem Deck gezogen.

H: Und dann kann man angreifen.

PS: Am Anfang hat jeder 8000 Lebenspunkte...

H: …und wenn man keine mehr hat, hat man verloren.

NK: Man verliert immer die Differenz von Monsterkarten.

Die Differenz?

PS: Ja, wenn man z.B. mit 3000 ATK (Attacke) eine Karte mit 2000 DEF (Defense) angreift, dann verliert der andere 1000 Lebenspunkte. Oder halt umgekehrt, wenn der Angreifer weniger ATK hat.

Wie kann man sich einen Spielverlauf etwa vorstellen?

H: Man zieht Karten, setzt Karten.

NK: Man kann verschiedene Attacken machen, z.B. angreifen, abwehren oder Effektschaden.

Effektschaden?

NK: Ja, den gibt es bei den Extra- oder Zauberkarten. Die können das ganze Spiel ändern.

PS: Es gibt z.B. eine, wenn man die setzt, hat man automatisch gewonnen.

Was ist das für Dich Faszinierende an dem Spiel?

H: Es ist lustig und macht einfach Spaß.

NK: Dass es ein Strategiespiel ist. Wenn man die Karten einfach drauf loslegt, hat man schneller verloren, als man es sich vorstellen kann.

PS: Das finde ich auch toll. Man muss echt aufpassen, wann man welche Karte legt. Das ist glaub ich auch ganz gutes Gedächtnistraining. Außerdem macht mir auch das Tauschen der Karten sehr viel Spaß.

Das wäre auch meine nächste Frage gewesen. Inwiefern spielt das Tauschen der Karten eine Rolle?

PS: Durch das Tauschen kann man sein Deck verbessern. Man kann z.B. schlechte gegen gute Karten tauschen.

NK: Sonst macht es ja keinen Sinn.

H: Also, ich tausch nicht so gern.

Warum?

H: Weil man manchmal aufpassen muss, nicht abgezockt zu werden. Da gibt es manche, die geben dir 5-6 miese Karten für eine gute. Eigentlich bringt das nichts, weil was willst du mit den schlechten Karten schon machen. Manche ältere Kinder schummeln so.

Wie wird das Tauschen und Spielen in Eurer Schule geregelt?

NK: Getauscht ist getauscht.

PS: Genau, vor allem in der OGS mischen die sich dabei nicht ein.

NK: Manchmal wird nur für ein Spiel auch mit Rücktausch getauscht. Das klappt aber nicht immer.

H: Manchmal dürfen wir auch im Unterricht während der Freiarbeit spielen.

PS: Manchmal? Schon eher selten.

Wie oft spielt Ihr Yu-Gi-Oh!?

NK: So ein- bis zweimal die Woche.

H: Ich vielleicht so dreimal die Woche.

PS: Ich auch.

Und wie lange kann ein Spiel dauern?

NK: Keine Ahnung. Während des Spiels vergesse ich eigentlich immer die Zeit.

H: Mmh, mal kurz, mal lang.

PS: Ich glaub so 10-15 Minuten, aber wenn man Exodia zieht, ist das Spiel vorbei.

Wie viele Karten sind in einem Päckchen? Und wie viel kostet ein Päckchen?

H: Das ist unterschiedlich. Ein kleines Päckchen mit drei Karten bekommt man ab 99 Cent.

PS: Es kommt immer auf die Art der Karten an. Besondere Karten können auch mal mehr kosten, andere weniger.

NK: So ein kleines Deck mit 40 Karten gibt es ab etwa 15€.

Ab wann spricht man von einem Deck? Und was genau ist ein Deck?

PS: Ab 30 Karten hast du ein Deck. Man hat beim Spiel Karten auf der Hand und zieht dann immer Karten von seinem Deck.

Wie viel muss man ausgeben, um ein richtig gutes Deck zu haben?

H: Um die 25€.

PS: Ich würd sagen 30€.

NK: Das glaube ich auch, 30€ müssten es wohl schon sein. Da hat man vielleicht so 120 gute Karten.

Welchen Vorteil bringt es, möglichst viele Karten zu haben?

H: Man kann sich sein Deck dann komplett selber zusammenstellen.

NK: Man kann sich dann auch mehrere Decks machen und sie je nach Gegner einsetzen. Wenn ich z.B. mit meinem besten Deck gegen einen schlechtes Deck spiele, gewinne ich immer. Um es spannend zu machen, kann ich dann auch ein nicht so gutes Deck zusammenstellen. Außerdem sind viele Karten auch gut zum Tauschen.

PS: Oder man macht sich einfach ein riesiges Deck.

Wie viele Karten habt Ihr?

NK: Ich hab 300.

PS: Ich hab 60, aber vielleicht bekommen wir ja noch welche vom Spieleratgeber?! (grinst dabei über beide Ohren)

H: Ungefähr 120.

Was schätzt Ihr, was habt Ihr oder Eure Eltern für Eure Karten ausgegeben?

PS: 25-30 €.

H: 18€

NK: Meine Eltern nichts, aber ich 20€ für eine Box und meine Tante hat mir auch mal eine geschenkt.

Habt Ihr noch andere Sachen von Yu-Gi-Oh!? (Federmäppchen, T-Shirts…)

PS: Nein.

NK: Nein.

H: Ich leider auch nicht.

Wie alt seid Ihr eigentlich?

NK: Ich bin zehn.

H: Ich acht.

PS: Ich bin neun, fast zehn.

Wie und in welchem Alter in etwa bist Du auf das Spiel gestoßen? 

PS: Mit Anfang neun durch meine Freunde.

NK: Ich mit acht.

H: Ich auch.

Ab welchem Alter würdet Ihr das Spiel empfehlen?

H: Mmh, so ab sieben.

PS: Ja, so ab sieben oder acht, man sollte einigermaßen gut lesen können, sonst hat man ja keine Ahnung, was die Karte kann. Außerdem ist das Spiel mit den ganzen Sonderregeln und -karten auch kompliziert für Jüngere.

NK: Manche Karten sind schon auch ein bisschen gruselig.

Mit wem spielt Ihr meistens?

H: Mit Freunden.

Habt Ihr schon mal mit Euren Eltern oder anderen Erwachsenen gespielt?

H: Also, ich nicht.

PS: Ich auch nicht.

NK: Ich hab mit meinem Bruder (14) schon gespielt und auch mal mit meinem Vater und meinem Cousin (20). Mein Cousin hat sogar noch Karten aus seiner Kindheit.

Verstehen Eure Eltern, was Ihr da spielt? Und findet Ihr das gut oder schlecht?

NK: Ich glaube, meine schon. Mir macht das schon auch Spaß mit Älteren zu spielen.

PS: Geht so, ich glaube meine Eltern verstehen es eher nicht. Das ist denen viel zu kompliziert.

H: Ich find das sehr gut, dass meine Eltern nicht alles verstehen, was ich so mach. Die haben keine Ahnung, aber vielleicht können sie es ja jetzt hier nachlesen.