Die Zwerge

Genre
Rollenspiele
USK
ab 12 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 12 Jahre
Vertrieb
THQ Nordic
Erscheinungsjahr
2016.12
Systeme
PC, Playstation 4, Xbox One, Mac, Linux
System im Test
Playstation 4
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Actiongeladenes Rollenspiel, basierend auf dem Buch "Die Zwerge"
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Interessant für
Fantasyfans, Fans der Buchserie
Sprache
Deutscher Erzähler
Grafik
detailreiche, dreidimensionale Grafik
Sound
Atmosphärische Orchester-Untermalung gepaart mit Musik der Heavy Metal Band Blind Guardian

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Zwerg Tungdil Goldhand/Bolofar und seine Gefährten
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
gute Hand-Auge-Koordination, taktisches Geschick
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
komplexe Geschichte, hektisches Gameplay
Gruppenleiter
Christopher Wandel
Games4Kalk
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4Screenshot 5
Siehe auch

Spielbeschreibung:
Die Videospielumsetzung zu der mehrteiligen Buchreihe Die Zwerge orientiert sich am ersten Teil und erzählt die wendungsreiche Geschichte rund um den Zwerg Tungdil. Dieser ist zwischen Menschen aufgewachsen und kennt andere Zwerge nur aus Erzählungen. Das Geborgene Land, das von mehreren Zwergenstämmen verteidigt wird, droht zu fallen. Durch mehrere Umwege findet sich Tungdil bereits nach kurzer Zeit mitten in den kriegerischen Auseinandersetzungen wieder. Diese werden hauptsächlich in großen Schlachten ausgefochten, bei denen die Spieler_innen die Kontrolle von bis zu vier spielbaren Figuren übernehmen und es oft gegen dutzende Gegner auf einmal aufnehmen müssen.
Obwohl die Veröffentlichung des ersten Bandes bereits über vierzehn Jahre zurückliegt, braucht sich das Geborgene Land weder hinter Mittelerde noch hinter Westeros zu verstecken. Nach der weltweit überaus erfolgreichen Veröffentlichung des Romans sowie des Hörbuchs, wagen die Entwickler nun einen weiteren Schritt: das gleichnamige PC- und Konsolen-Spiel zum Buch. Schon im Vorfeld sorgte die Berichterstattung für mächtige Vorfreude, denn wie bereits zum Spiel Sacred beteiligte sich die Heavy Metal Band Blind Guardian auch in diesem Fall an der Produktion des Soundtracks. Ob diese und weitere Besonderheiten zu einem vollen Erfolg des Spiels führten, verrät die Beurteilung.

Pädagogische Beurteilung:
Willkommen im Geborgenen Land
Die Zwerge
 richtet sich vor allem an diejenigen, die innerhalb eines Rollenspiels ihr taktisches Geschick unter Beweis stellen wollen. Im Sinne eines Brettspiels ziehen Tungdil Goldhand (der unter dem Namen Tungdil Bolofar aufgewachsen ist) und seine Gefährten Zug um Zug durch das Geborgene Land. Jeder Wegpunkt birgt ein neues Ereignis in sich, sodass die Spieletester vielseitig gefordert und unterhalten wurden. Seien es aufwendig gestaltete Texttafeln, interaktive Dialoge mit relevanten Persönlichkeiten der Geschichte oder gar ganze Kartenabschnitte, die von unseren tapferen Helden erkundet werden können, für jeden ist etwas dabei. Die Erkundungen erinnern an das typische Schema von Hack&Slay-Spielen wie Diablo oder Sacred. Entweder man unterhält sich mit Bewohnern und Wanderern, sammelt nützliche Gegenstände oder metzelt mit seiner Axt nur so durch die Gegend. Hierbei darf Tungdil auf die tatkräftige Unterstützung von maximal vier weiteren Gefährten zählen, die im Laufe des Spiels dazukommen und durch den Spieler ausgewählt werden können. Insbesondere die Darstellung der Spielwelt sowie die hochwertigen Einspieler und Soundeffekte sorgen für ein geschmackvolles und authentisches Fantasy-Erlebnis. Die ebenfalls liebevoll entworfenen Charaktere und der Detailreichtum sorgen für eine stimmige und angenehme Spielatmosphäre. Jedoch scheinen gerade die mitunter gigantischen Kampfszenen recht unkoordiniert und stressig. Die Kampf- und Bewegungsabläufe sind nur schwer bestimmbar und irgendwann endet jedes Szenario in einer wilden Klick-Party. Hinzu kommt, dass die Möglichkeiten der Charakter-Entwicklung recht plump gehalten sind und einseitig wirken, was angesichts des Rollenspiel-Hintergrunds als klare Schwäche zu deuten ist.

Ohne Vorbereitung geht es los
Ganz im Sinne des Romans beginnt auch das Spiel am steinernen Torweg des Grauen Gebirges, an der Grenze zwischen Geborgenem und Jenseitigem Land. Eine Armee des Bösen, bestehend aus Orks und Ogern, greift den Pass an, der Jahrhunderte lang vom Clan der Fünften verteidigt wurde. Bis dahin ist noch alles in Ordnung und auch das ruppige Kampfgeschehen passt sehr gut zur Szenerie. Doch werden die Spieletester_innen, wie eben auch die Zwerge, völlig unvorbereitet ins Getümmel gestoßen. Ähnlich sieht es mit Tungdil, dem Protagonisten der Geschichte, aus. Dieser wuchs jenseits seiner Artgenossen unter den Menschen auf. Doch ohne von den Entwicklern weiter über die Hintergründe aufgeklärt zu werden, befinden wir uns von jetzt auf gleich mit Sack und Pack auf unserer Mission. In diesem Tempo hetzen wir durch die Geschichte, was wiederum zur Folge hat, dass die gesamte Spielzeit mit etwa zehn Stunden recht knapp bemessen scheint. Vorkenntnisse über das Universum der Bücher ist hier von Vorteil.

Hörspiel-Niveau
Zu den besonderen Stärken des Spiels zählen vor allem die aufwendig und hochwertig produzierten Dialoge, welche besonders zur Atmosphäre beitragen. Gelegentlich kommen diese zum Vorschein, sobald Tungdil und seine Freunde auf der Weltkarte ein Feld weiterziehen. Die Gespräche zwischen den Figuren sowie die Möglichkeit der Beantwortung von Fragen gibt den Spieletester_innen das Gefühl, Teil der Szenerie und damit Teil der Gefährten zu sein. Kleinere Ereignisse im Laufe des Spielgeschehens, ohne weitere Relevanz, erhalten somit einen anderen Stellenwert und tragen dennoch zur Lebendigkeit der Geschichte bei. Die Beschreibungen von Gefühlen und Gedanken Tungdils, aber auch die Erzählungen über den allgemeinen Verlauf der Geschichte durch den Erzähler verleihen dem Spiel eine besondere Note. Zwischenzeitlich fühlt es sich tatsächlich so an, als gelinge es ihm, die Emotionen des Roman-Zwergs nahezu perfekt zu transferieren. An dieser Stelle wird wieder einmal bewiesen, dass die Qualität eines Abenteuers, egal in welchem Rollenspiel-Genre, mit der Qualität ihres Erzählers (auch Meister genannt) steigt und fällt.

Schwerpunkte sind ungeschickt gelagert
Doch dafür, dass die Weltkarte augenscheinlich recht viel zu bieten hat, verbringen die Spieletester_innen verhältnismäßig viel Zeit innerhalb der separaten Schauplätze, welche es stets zu erkunden und von Gegnern zu befreien gilt. Zumindest wurden die verschiedenen Zwergen-Reiche entsprechend gestaltet, sodass es innerhalb der unterirdischen Städte allerlei zwergische Architektur zu bestaunen gibt. Zwischenzeitlich gewinnt man den Eindruck, man sei gleichzeitig in den Minen von Moria unterwegs. Dabei wäre vor allem während der Erkundungstouren genügend Raum gewesen, um mithilfe kleiner Aufgaben und Aktionen für zusätzliche Spielzeit zu sorgen.

Immer dieses Gekämpfe, bis einer weint
Natürlich macht es riesigen Spaß, als schwerbewaffneter und kampfeslustiger Zwerg in eine Gruppe von Orks zu stürmen, doch sollte dafür ein entsprechender Rahmen gewährleistet werden können. Wenn gerade das Kampfsystem des Spiels eine der größten Achilles-Fersen darstellt, ist es schlichtweg fraglich, ob ein Großteil des Abenteuers aus Massenschlachten und weiterer Scharmützel bestehen sollte. Bevor es jedoch losgeht, werden die Spieletester_innen dazu angehalten, sich bis zu vier weitere Mitstreiter auszusuchen, die Tungdil wiederum während des Kampfes unterstützen. Die insgesamt fünfzehn Gefährten verfügen jeweils über besondere Kampffähigkeiten, die bei geschickter Kombination sehr nützlich beziehungsweise vorteilhaft sein können. Bedauerlich ist jedoch (und wie bereits erwähnt), dass diese sich nicht nennenswert ausstatten lassen. Gerademal einen Gegenstand je Charakter lässt sich ausrüsten. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es sich um ein Rollenspiel handelt, ist das laut Spieletester_innen viel zu wenig. Das trifft leider ebenfalls auf unseren Hauptcharakter Tungdil zu.

Eine Herausforderung für das Auge
Hinzu kommt, dass die Kamerafahrten während der Schlacht so ruckelig und hakelig vonstattengehen, dass es den Tester_innen durchweg schwer fiel, sich auf dem Schlachtfeld zurecht zu finden. Besonders im Fall von Fernkampfwaffen ist dies besonders nachteilhaft, da die Tester_innen oftmals gar nicht erkennen konnten, von wo sie jetzt wieder attackiert wurden. Nach mehreren Stunden Spielzeit können solche und weitere technische Schwierigkeiten ganz schön nerven. Darüber hinaus taucht hier und da mal eine neue Alpha-Wand auf, die sich aber im Laufe der Zeit eher zu einem Running Gag entwickelt. Dies betrifft ebenfalls die Texturen-Fehler, die natürlich in Anbetracht der mitunter sehr schönen Schauplätze umso deutlicher zur Geltung kommen.

Ein bisschen Spaß muss sein
Im Laufe des Spiels gilt es, im Rahmen einer Nebenmission ein heruntergekommenes Amphitheater von einer Horde Gegnern zu befreien. Hier kommen dann noch einmal die epischen und zugleich brachialen Klänge der Band Blind Guardian zum Tragen. Sobald die Mission erfolgreich abgeschlossen wurde, kann hier endlich das allseits bekannte ‚Wackenstein-Festival’ stattfinden. 

Fazit:
Grundsätzlich hätte hier ein richtig tolles Rollenspiel entstehen können, gerade bei den Namen ‚Markus Heitz’ und ‚Die Zwerge’ scheint ja ein gewisses Mindestmaß an Erfolg mitzuschwingen. Doch ist aller Anfang beziehungsweise Auftakt schwer und so lässt sich zumindest das Fazit der Spieletester_innen zum Spiel zusammenfassen. Mit Blick auf die wunderschönen Illustrationen sowie die geschmackvolle Atmosphäre (welche vor allem dem Erzähler und seiner Stimme zu verdanken ist), kann davon ausgegangen werden, dass auch zukünftig noch massenweise Jugendliche zum Buch greifen werden, um zu erfahren, wie es mit Tungdil Goldhand und seinen Freunden weitergeht. Mit Blick auf die Bedienbarkeit, das Tempo sowie die Vielzahl an kleinen, technischen Ungereimtheiten, bedarf es wohl eines weiteren Anlaufes, um das tatsächliche Potenzial des Spiels vollends zu entfalten. Grundsätzlich bereitete den Tester_innen das grobschlächtige Gemetzel großen Spaß, dennoch flacht dieser relativ schnell ab, da das fehlerhafte Kampfsystem auf Dauer einfach keine epischen Kampfszenen zulässt. Daher kann nur gehofft werden, dass im Fall eines zweiten Teils die Schwächen des Vorgängers besondere Berücksichtigung finden. Mit knapp zehn Spielstunden ist das Abenteuer von Tungdil ohnehin eindeutig zu knapp bemessen.

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Spieletester
Games4Kalk
Köln
Bewertung Spielspass

„Aber genau das macht doch am meisten Spaß, dass man seine Begleiter immer wieder neu ausstatten kann!“ (Joshua, 15 Jahre)