Card Thief

Genre
Apps
USK
nicht USK geprüft (?)
Pädagogisch
ab 10 Jahre
Vertrieb
Arnold Rauers / TiNYTOUCHTALES
Erscheinungsjahr
2017.03
Systeme
iOS, Android
System im Test
iOS
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Point&Click-Karten-Abenteuer zum Nachdenken
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Interessant für
Knobler und Abenteuer
Sprache
Deutsch, Englisch
Grafik
düster atmosphärischer Zeichentrick-Stil
Sound
unterstützende Soundeffekte und musikalische Untermalung tragen zur Atmosphäre bei

Steuerung
einfach
komplex
Anforderungen
einfach
schwer
Zeitaufwand
gering
hoch
Spielwelt
linear
offen

Indentifikationsfiguren
Spieler_innen steuern Karte des Meisterdiebes
Mehrspielermodus
nicht vorhanden
Spielforderungen
strategisches Denken und Planen
Zusatzkosten
nicht vorhanden
Problematische Aspekte
nicht vorhanden
Redaktion
Torben Kohring
Spieleratgeber-NRW
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Spielbeschreibung:
Card Thief (engl. für „Karten-Dieb“) ist merklich inspiriert durch die Thief-Reihe und die Raubzüge des Meisterdiebs Garrett. Doch im Gegensatz zur 3D-Grafik der Vorbilder, finden die Raubzüge in Card Thief nur auf virtuellen Spielkarten statt, was sie jedoch nicht minder reizvoll macht. 
Ziel ist der App ist es, aus einem Haus eine Schatztruhe zu entwenden, dabei möglichst viele Edelsteine einzusammeln, den Wachen auszuweichen und ungesehen durch eine Tür zu entwischen. Für jeden Ort, in den man einbricht, gibt es einen Kartensatz, der zu Beginn durchgemischt wird und aus dem dann acht Karten gezogen und zusammen mit der Diebeskarte in einem drei mal drei Felder großen Spielbrett ausgelegt werden. Dabei gibt es verschiedene Funktionen: Gegnerkarten, Schätze, Fallen und Hilfsmittel sowie Türen. Ziel des Diebes ist es, einen Weg über dieses Feld zu wählen und dabei so viele Karten wie möglich einzusammeln. So weit so gut, wäre da nicht der Aufmerksamkeitslevel und das Licht. Die Diebeskarte ist im Dunkeln unsichtbar und kann Wachen ausschalten und Schätze stehlen ohne in Gefahr zu geraten. Fackeln werfen jedoch Licht auf alle umliegenden Karten und erschweren die Manöver des Diebes. Die Wachen verfügen zudem über eine Blickrichtung und lenken ihre Aufmerksamkeit z.B. auf erlöschende Fackeln oder ausgelöste Fallen und können nur ohne Punktverlust ausgeschaltet werden, wenn der Dieb sie von hinten, also entgegen ihrer Blickrichtung, erwischt. Zudem steigen die Werte der Wachen durch Aktionen des Diebes, sodass Wachen ihm im Laufe eines Zuges immer mehr Punkte abziehen.

Pädagogische Beurteilung:
Spannende Spielmechanik
Das Spielprinzip beginnt einfach, wird aber zunehmend komplexer. Der Dieb startet mit einem Aufmerksamkeitslevel von 10 und jede entfernte Wache, jede Fackel und jede Falle senkt diesen Wert. Bestimmte Gegenstände können den Wert auch erhöhen, so setzt z.B. ein Versteck, das nicht von einer Fackel beschienen wird, den Wert des Diebes auf 10 zurück. Spannend ist, das abgelaufene Karten entnommen werden und alle anderen Karten von oben nach unten durchrutschen und die Leerfelder durch Karten vom Stapel ergänzt werden. Die Runde ist beendet, wenn der Dieb entweder mit der Schatzkiste durch den Ausgang fliehen konnte oder er mit einem niedrigeren Wert als die Wache in deren Blickbereich gerät. Dies passiert vor allem durch nachrutschende und neu gezogene Karten schneller als gedacht. Hier ist also taktisches und strategisches Vorgehen gefragt. Die Spielenden haben zusätzlich als Meisterdieb verschiedene Gegenstände im Inventar, mit denen sie Fackeln löschen oder Wachen ablenken können. Der Punktestand berechnet sich aus verschiedenen Faktoren, beispielsweise wie lange eine Schatzkiste auf dem Spielfeld war, bevor sie eingesammelt wurde, wie viele Edelsteine erbeutet werden konnten und welche Geegnstände eingesetzt wurden. Frustrierend kann für Spieler_innen der steigende Schwierigkeitsgrad sein, denn die Gebäude werden im Laufe der Zeit immer komplexer und so kommen z.B. Wachen mit zwei Köpfen, die dementsprechend in zwei Richtungen schauen können, oder auch Wachen mit Fackeln hinzu.

Stimmungsvolle Atmosphäre
Card Thief erfreut das Auge durch schön gezeichnete Karten und Hintergründe, ohne ein Effektfeuerwerk abzubrennen. Die Grafiken sind stimmig gestaltet und passen ideal zum Thema. Die Karten sind in einem düsteren, überzeichneten Comicstil gehalten und dezent animiert. Die Augen der Wachen bewegen sich, die Flammen der Fackeln tanzen und Fallen gleiten zu Boden, wenn sie ausgelöst werden. Das alles gibt diesem Titel, der in seinem Kern ein Kartenspiel ist, eine gehörige Portion Flair und die Karten erzählen dadurch immer wieder neue Geschichten, ohne dass diese ausgesprochen werden. Die gesamte Steuerung der App wirkt dabei wie aus einem Guss und der Stil wird auch in den Menüs durchgehend stimmig eingehalten.

Strategisches Planen
Das Planen der Spielzüge und die durchdachte Mechanik harmonieren so gut miteinander, dass es selten vom Kartenglück oder –pech abhängt, ob der Dieb am Ende den Ort mit dem Schatz verlassen kann oder nicht. Häufig weiß man nach einem Spielzug einfach, ob man zu gierig war. Spätere Level erfordern eine gute Planung und den durchdachten Einsatz der Hilfsmittel, um den Schatz zum Ausgang zu bringen. Hier können gerade für jüngere Spieler_innen Frustmomente auftreten, wenn die zu Beginn noch erfolgreichen Strategien nicht mehr greifen. Die angebotenen Lektionen helfen die Mechaniken schnell zu verstehen und das Spielprinzip zu verinnerlichen, für hohe Highscores ist dann jedoch noch viel Ausprobieren und Üben notwendig.

Fazit:
Card Thief ist ein ansprechend gestaltetes Knobelspiel mit einer gelungenen Spielmechnik, das dazu einlädt, als Meisterdieb auf Beutezug zu gehen. Der strategische Anteil ist jedoch so hoch, dass es sich eher an erfahrene Spieler_innen richtet, die auch mobil eine Herausforderung abseits der typischen mobilen Spielmechaniken suchen. Die Steuerung ist sehr gelungen und funktioniert intuitiv. Card Thief bietet In-Game-Belohnungen an, d.h. aus den gestohlenen Kisten können Gegenstände erbeutet werden. Dies ist jedoch losgelöst von Echtgeldzahlungen, jegliche Gegenstände werden ausschließlich über die Spielwährung bezahlt. Dafür kostet Card Thief moderate 3,49 € (Stand April 2018). Gewalt spielt in Card Thief eine untergeordnete Rolle und wird zu keinem Zeitpunkt thematisiert. Das Ausschalten der Wachen ist eher als umgehen oder betäuben zu verstehen und wird nicht visualisiert.