
- Startseite
- Über uns
- Spiele - Beurteilungen
- Spiele - Hintergrund
- Ratgeber
- Die Jugendredaktion
- Service
- Sitemap
- MembersArea
Eine Veranstaltung für: Eltern, Lehrer, Pädagoginnen und Pädagogen in der außerschulischen Jugendarbeit.
Neue Termine 2010 stehen fest.
mehr Informationen...Computer- und Konsolenspiele haben im Alltag der meisten Jugendlichen einen fixen Platz, sie gehören zu ihrem Freizeitmix selbstverständlich dazu. Die Auseinandersetzung mit dem Thema findet in der Öffentlichkeit und Politik wie auch in der Pädagogik und Jugendarbeit bislang jedoch nur selten oder sehr einseitig statt. Computer- und Konsolenspiele gelten vielen Erwachsenen und Pädagog/innen als die unproduktive, unnütze, wenn nicht sogar problematische Freizeitbeschäftigung schlechthin. Die positiven Aspekte und Potentiale der Spiele und des Spielens werden dem gegenüber nur selten thematisiert. Politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sehen sich demnach oft mit der Forderung nach “verschärften Regulierungen” konfrontiert, insbesondere unmittelbar nach medial breit diskutierten Anlassfällen, wie beispielsweise die Amokläufe in Erfurt (2002), Emsdetten (2006) oder Winnenden (2009). Das österreichische Jugendministerium (Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend) hat die Entscheidung getroffen, eine differenzierte und auch herausfordernde Strategie zu verfolgen und betreibt die Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen, kurz: BuPP.
Die Wurzeln der BuPP reichen weit zurück: Im Frühjahr 1994 lud das österreichische Jugendministerium Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis zu einer Fachtagung „Jugend und Computer“. Hinsichtlich des Aspektes der digitalen Spiele, die sich damals bereits einer großen Beliebtheit bei Kindern und Jugendlichen erfreuten, wurde ein gemeinsames Verständnis festgestellt, dass Maßnahmen der Politik und Pädagogik erforderlich seien. Hauptmotivation für diesen Aufruf zur Aktion war der Inhalt einiger Spiele, der zumindest als potentiell problematisch angesehen wurde. So hatte erst kurz zuvor, im Jänner 1994, die in Deutschland ausgesprochene Beschlagnahmung des Spiels „Wolfenstein 3D“ (id Software/Apogee Games, 1992. Das Spiel wurde durch das Amtsgericht in München am 25. Januar 1994 in Deutschland bundesweit beschlagnahmt) zu einer breiten Berichterstattung über das Thema in den Medien geführt.
Die Expertinnen und Experten der österreichischen Tagung „Jugend und Computer“ diskutierten daher eingehend die Konzepte der deutschen „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ (heute: „… jugendgefährdende Medien“) und der „USK“ im Vergleich mit anderen vorstellbaren Strategien. Als Ergebnis dieser Auseinandersetzung wurde der Politik angeraten, den Fokus auf die Strategien der Positivprädikatisierung und der Medienkompetenzförderung zu legen und diese systematisch weiterzuverfolgen.
Anstatt einer Verschärfung von Gesetzen oder dem Führen von „schwarzen Listen“ wurden vom österreichischen Jugendministerium daher zunächst Initiativen unterstützt, welche Empfehlungslisten für digitale Spiele herausgaben. Ermutigt durch die positiven Erfahrungen mit dieser Strategie entschlossen sich die Verantwortlichen, an einem weiteren Ausbau und vor allem einer breiteren und wissenschaftlich fundierten Basis der Positivprädikatisierung zu arbeiten. Auf Grundlage der Ergebnisse von dazu beauftragten Machbarkeitsstudien wurde Ende 2003 der zuständigen Fachabteilung der Dienstauftrag erteilt, die Einrichtung einer „Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen“ vorzubereiten. Ein Projektteam entwickelte ein „Manual“ für die Bewertung von Computerspielen, das aus drei Abschnitten besteht: einem kurzen Teil mit technischen Aspekten sowie den zwei Hauptteilen zu „Spielspaß“ (in welchem im Wesentlichen diverse motivationale Faktoren, vergleichbar den Reviews in Games-Magazinen, abgefragt werden) und zu „Pädagogik“. Der letztgenannte Abschnitt berücksichtigt nicht nur „problematische“ Aspekte, wie Gewalt, sondern legt einen besonderen Schwerpunkt auf das positive Potential von Computerspielen. Entsprechend den Ergebnissen von Gebel, Gurt und Wagner (2004), oder den Überlegungen von Gee (2003) u.a., versucht das Manual mögliche Dimensionen der Kompetenzförderung abzubilden und deren konkrete Realisierungspotentiale im jeweiligen Spiel abzuschätzen.
Als zentrales Element des Prozesses der Spielebewertung wurde die wöchentliche Sitzung der „Bewertungskommission“ definiert, bei welcher jeweils jene zwei Gutachtenden, die das zur Diskussion stehende Spiel im Detail analysiert haben, eine externe Expertin oder ein externer Experte, zwei Personen in Vertretung des Ministeriums sowie ein oder zwei Jugendliche zusammenarbeiten. Auf Grundlage schriftlicher Berichte und einer Präsentation der Gutachtenden wird das Spiel ausführlich diskutiert und schließlich in einer Abstimmung eine Mehrheitsentscheidung über die Zuerkennung oder Ablehnung des Gütesiegels herbeigeführt.
Nach mehreren Testläufen startete die BuPP im November 2005 den offiziellen Betrieb. Seither wird die Liste empfehlenswertere Spiele nahezu wöchentlich erweitert und auf der Website www.bupp.at veröffentlicht. Ein generelles Abkommen mit Händlern betreffend eigene „BuPP-Regale“ konnte bislang (Dezember 2009) nicht erreicht werden, einzelne Unternehmen haben jedoch bereits die Initiative ergriffen und entsprechende Bereiche eingerichtet. Die Praxis dort zeigt eine sehr zufriedenstellende Annahme seitens der Kunden.
Mit der Liste empfehlenswerter Computer- und Konsolenspiele als primäre Aufgabe hat die BuPP im Weiteren begonnen, Hintergrundinformationen für Eltern, Pädagog/innen und Jugendliche zu sammeln und aufzubereiten. Damit soll eine objektive und vor allem differenzierte Diskussion über Spiele ermöglicht werden um letztlich die individuellen Rahmenbedingungen des Spielens der einzelnen Kinder und Jugendlichen ins Zentrum der Aufmerksamkeit und der pädagogischen Bemühungen zu rücken. Es ist das Anliegen der BuPP, einerseits Eltern zu motivieren, am Spielverhalten der Kinder Anteil zu nehmen, und andererseits Pädagoginnen und Pädagogen die Möglichkeit zu geben, Computerspiele als Freizeitbeschäftigung von Kindern zu akzeptieren und qualifiziert medienpädagogische Konzepte auch in diesem Bereich anzuwenden. Und auch Kinder und Jugendliche selbst sollen unterstützt und ermächtigt werden, Computerspiele als eine bereichernde Freizeitbeschäftigung nutzen und erleben zu können. Gleichzeitig unterstützt die BuPP das Bemühen um eine harmonisierte Regelung im Bereich des gesetzlichen Jugendschutzes, die derzeit in Österreich fehlt. Damit soll eine minimale und niedrigschwellige Orientierung für Erziehungsverantwortliche sowie Rechtssicherheit für den Handel erreicht werden.
Herbert Rosenstingl, geboren 1969 in Wien, ist ausgebildeter Freizeit- und Medienpädagoge. Er studierte an der Universität Wien sowie der Donau-Universität Krems, wo er einen Masterabschluss (MA) in ?Applied Game Studies? erlangte. Für mehrere Jahre war er hauptberuflich in einer Jugendorganisation tätig. Seit 1994 ist er im österreichischen Jugendministerium beschäftigt und u.a. mit den Arbeitsschwerpunkten Neue Medien und Medienpädagogik betraut. Er leitet die im Jugendministerium eingerichtete Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (www.bupp.at). Herbert Rosenstingl ist Vater von zwei Kindern.