Uncharted 2: Among Thieves

Genre
Action-Adventure
USK
ab 16 Jahre (?)
Pädagogisch
ab 16 Jahre
Vertrieb
Sony
Erscheinungsjahr
2009.10
Systeme
Playstation 3
System im Test
Playstation 3
Homepage des Spiels
Kurzbewertung
Spannendes und filmreifes Abenteuer im Stil der Indiana-Jones-Filme
Autor
Kadir Yilanci
Einzeltest
Screenshot 2Screenshot 3Screenshot 4
Siehe auch

Spielbeschreibung:
Ein Mann erwacht schwer verletzt in einem Zugabteil. Blöderweise hängt das Zugabteil jedoch an einem Abgrund und ist Teil eines verunglückten Zuges. Der Zug, oder was davon übrig geblieben ist, befindet sich in den eisigen Höhen von Tibet. Der Draufgänger, Abenteurer und Frauenschwarm Nathan Drake merkt sofort, dass hier etwas nicht stimmt. Als Gegenstände an ihm vorbei rauschen, sein Sitz langsam nach gibt und sich aus seiner Verschraubung reißt, verrichten hier gerade Newtons Gravitationsgesetze ihre unheilvolle Arbeit. Gerade so eben gelingt Drake der Sprung zum Nebensitz, aber er wird von einem Gegenstand getroffen in die Tiefe gerissen. Im letzten Moment kann er einen Geländer greifen und fängt langsam an hochzuklettern. Jedoch immer wieder gibt der Zug oder Teile davon nach und er fällt einige Meter runter, kann sich aber jedes mal so gerade noch festhalten. Nach der aufregenden Kletterpartie schafft es schließlich unser Held, das Plateau zu erklimmen, wird aber ohnmächtig.

Szenenwechsel: Plötzlich sind wir nicht mehr in den unwirtlichen und bitterkalten Bergen, sondern irgendwo in der Südsee bei Sand, Sonnenschein und Bier. Wir bekommen mit, dass Nathan Drake von seinem ehemaligen Buddy Harry Flynn auf einen Schatz von Marco Polo hingewiesen wird. Begleitet wird Harry von der lasziven Chloe Frazer. Ein Hinweis auf den Schatz ist wohl in einer unscheinbaren Öllampe aus Jade versteckt. Diese Öllampe ist unglücklicherweise in einem Museum ausgestellt. Und dieses Museum befindet sich in Istanbul.

Szenenwechsel: Nathan Drake erwacht auf dem Felsplateau, den er vorhin nur unter allergrößter Mühe erklimmen konnte und schleppt sich langsam voran. Aber er ist nicht alleine an dem Unglücksort. Ein bewaffneter Scherge wird schnell ausgeschaltet. Danach versucht Drake sich den Weg nach draussen durch den verkeilten Zug zu bahnen. Plötzlich explodiert etwas, wahrscheinlich ein Kessel. Nathan wird von der Druckwelle erfasst in ein Zugabteil geschleudert und verliert wieder das Bewusstsein.

Und noch ein Szenenwechsel: Die schwarzhaarige Chloe Frazer klopft an Nathans Hoteltür. Die beiden scheinen ein Verhältnis zu haben, von dem ihr Spießgeselle Flynn nichts wissen darf. Ebenso darf Flynn natürlich nicht erfahren, dass sie ihn aufs Kreuz legen wollen. Als die beiden im Bett liegen, sagt Chloe, dass Nathan ihr vertrauen kann. Und in diesem Moment merkt der Zuschauer, dass in diesem Spiel, besonders Dieben nicht zu trauen ist. Ein letztes Mal wechselt die Szenerie ins Himalaya Gebirge, wo der Abenteurer Drake in der Nähe des Zugunglückes eine Art Dolch im Schnee findet. Was es mit diesem Dolch auf sich hat und warum der Zug verunglückt ist, erfährt der Spieler selbstverständlich noch. Danach wird das eigentliche Spiel (oder besser der Spiel-Film) auf dem Bosporus in Istanbul fortgesetzt, wo die Bande in ein schwerbewachtes Museum einbricht. Später führt die Jagd nach dem vermeintlichen Schatz von Marco Polo noch in den Dschungel von Borneo und anschließend nach Tibet und den Himalaja, wo die bisher beschriebenen Ereignisse zusammenlaufen.


Pädagogische Beurteilung:
Der Filmvergleich bei dem Action-Adventure "Uncharted 2: Among Thieves" liegt auf der Hand. Schon der Start des Abenteuers in medias res, also mitten drin, ist ein beliebtes Stilmittel in Film und Literatur, um den Zuschauer oder Leser ohne Umwege in die Handlung einzuführen. Hinzu kommt der Erzählstil mit wechselnden Zeitebenen, auch ein beliebtes und besonders von Quentin Tarantino genial in "Pulp Fiction" eingesetztes Mittel, um die Geschichte dem Publikum häppchenweise zu präsentieren, Spannung zu erzeugen und zum mitdenken oder miträtseln zu animieren. Der anschließende Einbruch ins Museum in Istanbul ist natürlich ebenfalls ein Filmzitat aus dem grandiosen Klassiker "Topkapi" (1964) mit Peter Ustinov, in der eine Räuberbande in den berühmten Topkapi-Palast einbricht, um einen smaragdbesetzten Dolch zu stehlen. Neben dem Film "Rififi" (1955), ebenfalls vom Regisseur Jules Dassin, ist Topkapi der Archetypus der Einbrecherfilme, die in der Filmwelt auch Heist-Movies genannt werden.

Natürlich ist "Uncharted 2: Among Thieves" in erster Linie, wie auch schon der Vorgänger Uncharted: Drakes Schicksal, eine Huldigung an Abenteuerfilme, wie die drei Indiana Jones Filme (den schlechten und überflüssigen vierten Teil lasse ich mal an dieser Stelle weg), wo meistens ein unerschrockener Held in weiblicher Begleitung, sich ein Kopf an Kopf rennen um die Bergung eines Schatzes, mit einer oder mehreren Gegenparteien, liefert. Selten jedoch geht es nur um unermessliche Reichtümer, sondern um das immer währende Spiel Gut gegen Böse und vor allem um nicht weniger als die Weltherrschaft, da mit dem Schatz okkulte und mächtige Kräfte verbunden sind.

Die Spielmechanik von Uncharted 2 ist mit vier einfachen Verben zu beschreiben: Erforschen, rätseln, klettern und schießen. Der Draufgänger Nathan Drake geht Hinweisen auf einen verloren gegangenen Schatz von Marco Polo nach und erforscht malerische Umgebungen, die derzeit zu den grafisch besten gehören, die die aktuelle Konsolen-Generation zu bieten hat. Gelegentlich wird das eine oder andere Rätsel gefordert, um weitere Hinweise zu bekommen oder Wege zu finden. Die Rätsel hätten gerne etwas knackiger und anspruchsvoller sein können. Beispielsweise sind die Rätseleinlagen bei der ähnlich gelagerten Tomb Raider Reihe weitaus fordernder und anspruchsvoller. Um dann von A nach B zu kommen, muss Nathan Drake, genau wie seine berühmtere Kollegin Lara Croft, seine besten Kletterkünste aufbieten. Nicht selten kommt es vor, dass er beim erforschen und ausbaldowern entdeckt wird und sich eine wilde Schießerei mit Schurken liefern muss. Und wenn es ein Gesetz in Abenteuerfilmen oder -spielen gibt, dann jenes, dass Schurken selten alleine auftreten und von weiterem Gesindel unterstützt werden. Oft kombiniert das Spiel die Elemente klettern und schießen zu einem anspruchsvollen und spannenden Mix. In einem der rasantesten und atemberaubendsten Passagen des Spiels muss sich Nathan während einer waghalsigen Kletterpartie einen russischen Kampfhubschrauber vom Leib halten. An dieser Stelle möchte ich aber nicht zu viel verraten. 

Die Steuerung des Spiels ist anspruchsvoll, aber von erfahrenen Konsolen-Spielern leicht zu meistern. Unerfahrene Spieler, oder mausgewohnte PC-Spieler, werden anfangs aber ihre Mühe mit der Padsteuerung haben. Das liegt vor allem daran, dass mehrere Aktionen gleichzeitig ausgeführt werden müssen. Die Figur wird mit dem linken Analog-Stick, genretypisch aus der 3. Person, gesteuert. Mit dem rechten Stick steuert der Spieler die Kamera nach. Wenn dann auch noch gezielt, geschossen oder gesprungen werden muss, entwickelt sich das Ganze zu einer fordernden und vor allem für Anfänger schwierigen Hand-Auge-Koordination. Aber nichts, was man nicht mit ein wenig Übung meistern kann. Zudem bietet das Spiel für Anfänger einfachere Schwierigkeitsstufen an.

Das Klettern selber ist einfach gestaltet. Die Figur wird mit dem linken Analog-Stick von Haltepunkt zu Haltepunkt gesteuert, die manchmal auch weg brechen können und für zusätzliche Spannungsmomente sorgen. Sehr oft muss der Held schier unüberwindliche Strecken mit einem beherzten Sprung bewältigen und kann sich sogar an eisigen Felsen entlang hangeln. Hier hätte dem Spiel etwas mehr Realismus gut getan. So geht Nathan Drake auch niemals die Puste beim klettern aus. Durch eine Art Griff-Stärke wie bei den grandiosen Spielen Metal Gear Solid 4 oder Shadow of the Colossus, die anzeigt, wie lange sich die Figur noch halten kann, wäre das reine Klettern fordernder und spannender geworden. Apropos Spannung: Das Spiel ist spannend wie ein guter gemachter Film und lädt sogar nur zum zuschauen ein. Man spielt nicht nur selber mit, sondern ist Teil einer ungemein aufregenden Hatz durch exotische und malerische Orte. Ich habe den aktuellen Teil und auch den Vorgänger als Referenzspiel für Action-Adventures im Rahmen einer Videospieleinführung gezeigt. Menschen, die noch keinerlei Erfahrung oder durch einseitige Presseartikel, ein vorverurteiltes Bild von Videospielen hatten, waren erstmal generell überrascht von der Vielfältigkeit der unterschiedlichen Genres bei Videospielen. Bei diesem Spiel im speziellen fiel neben der grafischen Qualität, den Betrachtern vor allem aber die professionelle Inszenierung gepaart mit einer spannenden Geschichte auf, die sofort im Vergleich zum Film mündete.

Und noch etwas interessantes ist mir bei beiden Uncharted Teilen aufgefallen: Spieler und Zuschauer Fiebern regelrecht bei den Abenteuern des Nachfahren von Weltumsegler und Pirat Sir Francis Drake mit. Das liegt natürlich an den rasanten und spannenden Action-Passagen. Aber es liegt, meiner Meinung nach, noch viel mehr an den sympathischen gezeichneten Spielfiguren, die mit witzigen Dialogen oder Kommentaren, beim Spieler für Gelächter sorgen. Den Spiele-Designern ist es nämlich gelungen, besonders die Figur des Nathan Drake menschlich zu gestalten und leben einzuhauchen. Das liegt aber weniger an der äußeren grafischen, sondern an der inneren Figur des Protagonisten. Die Charakterzeichnung, die sich in den erwähnten Dialogen, im zwischenmenschlichen Beziehungsspiel mit den beiden, sehr hübschen Frauen des Abenteuers und vor allem in Nathans Kommentaren widerspiegelt, ist sehr lebensnah. Er ist ein sympathischer Held, der mal lustig, mal zynisch aber in erster Linie, trotz seines digitalen Ursprungs menschlich und verletzlich wirkt und dadurch beim Betrachter eine emphatische Wirkung entfaltet, die eine emotionale Bindung zum Charakter herstellt, wie das bei Film- oder Romanfiguren der Fall ist. Dadurch hebt sich Nathan Drake wohlwollend von den archetypisch martialischen und leider oft überzeichneten Figuren vieler Action-Titel ab und verleiht ihm und den anderen positiv besetzten Hauptfiguren des Abenteuers Sympathie.

Noch ein Wort zum Action-Gehalt des Titels: trotz der vielen blutigen Scharmützeln, ist der Gewaltgrad des Spiels auf dem Niveau aktueller Actionfilme und wirkt zu keiner Zeit übertrieben oder gar verherrlichend. Jugendliche ab 16 Jahren sollten daher mit Inhalt und Anspruch des Titels keinerlei Probleme haben. Es ist sogar möglich, oft auch sehr zu empfehlen, in einigen Situation so lange wie möglich unentdeckt zu bleiben, um so die sehr clever agierenden Gegner im Vorfeld durch Nahkampftechniken auszuschalten. Generell ist bei diesem Spiel ein taktisches Vorgehen ratsam, sonst ist man schnell von Schurken umzingelt und Munition steht auch nicht unendlich zur Verfügung.

Nach der Einzelkampagne kann sich der Spieler noch mit anderen in einem Mehrspielermodus online messen, was zu einem spielerischen Mehrwert führt. Hier wurden bekannten Kampagnen aus First-Person-Shootern wie Deatmatch, Domination oder Capture the Flag nicht nur in die 3. Person des Action-Adventures gehieft, sondern auch teilweise thematisch angepasst. Um zu punkten wird zum Beispiel nicht die Flagge des Gegners ins eigene Lager gebracht, sondern ein Schatz. Dieser Modus heißt hier Plündern. Es ist sogar ein cooperativer Online-Modus eingebaut worden, in dem zu dritt abgewandelte Missionen des Hauptspiels bewältigt werden können, was sehr spaßig ist, besonders mit Headset. Wer auf den Online-Modus keine Lust hat, dem empfehle ich "Uncharted 2: Among Thieves" ein zweites Mal zu spielen und sich dabei mal die Zeit zu nehmen, auf die vielen kleinen Details zu achten, die Entwickler Naughty Dog in das Spiel eingebaut hat. Großartig!

Fazit:
Der 2. Teil der Uncharted Reihe ist ganz großes Kino und bietet derzeit die beste grafische Darstellung in einem Konsolenspiel. Aber es ist nicht nur die schöne Verpackung, die fasziniert und einen vor die Konsole bannt, sondern vor allem die filmreife und spannende Inszenierung des Abenteuers sorgt für eine hohe Motivation und für Spielspaß, online, alleine oder am besten immer mit Zuschauern. Hervorragend ist außerdem die gelungene Charakterzeichnung einiger Darsteller, die eine emotionale Bindung zum Spieler aufbaut und für einige sehr spaßige Momente sorgt.

Mit "Uncharted 2: Among Thieves" wird nicht nur der beste Titel des Jahres im Genre der Action-Adventure für die PlayStaion 3 angeboten, sondern sollte ebenfalls als perfektes Beispiel für die grafische und inszenatorische Qualität moderner Videospiele dienen, die nicht mehr den Vergleich zu aufwändigen Filmproduktionen zu scheuen braucht und sogar durch die Interaktion übertrifft.