Medienprojekt „Spieletester“ in der Schule

Im Rahmen der Landeskampagne „Sucht hat immer eine Geschichte“ fand am Donnerstag, den 18. September 2008 am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Duisburg-Marxloh ein Aktionstag zum Thema Computerspiele statt. Im Laufe des Vormittags nahmen Schüler der achten Klassenstufe Computer- und Konsolenspiele genauer unter die Lupe. Die Ergebnisse dieser mehrstündigen Veranstaltung wurden dann am gleichen Abend im Zuge der Infoveranstaltung „Generation Computer – Erziehung in der Zwickmühle“ den Eltern vorgestellt. Initiiert wurde das Projekt von der Fachstelle für Suchtprophylaxe des Jugendamtes der Stadt Duisburg in Kooperation mit dem Verein ComputerProjekt Köln.

Gleich zum ersten Glockenschellen drängten die Schüler des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums in die große Schulaula, denn anstatt des Mathe-Unterrichts sollten an diesem Tag die Gamepads in die Hand genommen werden. Nicht um bloß zu spielen, sondern um Computerspiele auf ihren Gehalt zu prüfen. Dabei konnten gleich alle vier Klassen des achten Jahrgangs mehrere aktuelle Spiele, unter Anleitung pädagogischer Fachkräfte des ComputerProjekt Köln e.V., testen und beurteilen. In Gruppen von jeweils 4-6 Personen wurden insgesamt acht Spiele vorgestellt. Jede Gruppe konzentrierte sich auf ein Spiel. Nach einer kurzen Einweisung und vierzig Minuten Spielspaß, wurde das Spiel mit einem Fragebogen von jedem Schüler genauer untersucht und bewertet.

Um dieses Vorhaben bewerkstelligen zu können, sollten die Schüler sich gegenseitig beim Spielen beobachten, um feststellen zu können wie der Mitspieler auf das Spiel reagiert. Die Zeit war knapp und damit dies trotzdem zu meistern war, bekamen sie Hilfen in Form von Themenkarten an die Hand. Mit diesen wurden Themenbereiche wie Spielspaß, Grafik, Sound und die Steuerung mit jeweils vier Fragen genauer thematisiert. Das nötige Reflektionsvermögen war bei den Schülern schnell vorhanden, die Spiele wurden kritisch betrachtet und lautstark diskutiert. Nach dem Gruppengespräch, in dem jeder seine Meinung zum Spiel äußern konnte, wurden die Eindrücke auf einem gemeinsamen Plakat zusammengefasst. Was nicht immer einfach war, denn nicht alle Schüler hatten die gleiche Meinung zum jeweiligen Computer- oder Konsolenspiel. Von daher war es nicht verwunderlich, dass es zu bunten und vielfältigen Diskussionen innerhalb der Kleingruppen kam. Abschließend wurden die Schüler in den Kleingruppen von den pädagogischen Fachkräften zu ihren Erfahrungen mit Computerspielzeiten und exzessivem Spielen angesprochen. Untereinander ergab sich dabei eine äußerst produktive wie lebendige Auseinandersetzung, gestützt und verstärkt durch die Pädagogik der Fachkräfte.

Im folgenden Plenum, zu dem sich alle Schüler in einem großen Kreis setzten, wurde jede Gruppe darum gebeten ihre Ergebnisse vorzustellen. Durch die vielen kompetenten Beiträge der Schüler entwickelte sich ein sehr offenes Klima, das offenbarte, dass das Thema „exzessives Spielen“ auch in der Schule diskutiert werden sollte und ein Bedürfnis nach Austausch bei den Jugendlichen vorhanden ist. Überraschend für viele Pädagogen waren Aussagen der Schüler wie: “Wenn ich mir keine Grenzen setzen kann, müssen meine Eltern mir die Grenzen setzen!“ Oder auch: „Wenn ich es nicht schaffe mit dem Spielen aufzuhören, müssen meine Eltern mich davon irgendwie abbringen. Ja, ich trickse dann und bin genervt, aber das ist dann okay für mich“. Ein klar hörbarer Wunsch nach Regeln und Grenzen wurde deutlich, was im Gegensatz zu den Verhaltensweisen Jugendlicher steht, die oftmals zwischen Sturm und Drang hin- und herpendeln. Unter großer Beitragsbeteiligung der Schüler wurde dabei das Thema „exzessives Spielen“ erörtert und oft konträre Meinungen ausgetauscht. Gesammelt wurden Merkmale und Umgangsweisen von exzessivem Spielverhalten (z.B.: „Woran merkt man, dass jemand zu viel spielt?“ / „Was könnt ihr machen, wenn jemand dieses Problem hat?“) und schriftlich an einer Tafel festgehalten.


In der abendlich Infoveranstaltung „Generation Computer – Erziehung in der Zwickmühle“ waren die Schüler dazu aufgefordert ihre Eltern mitzubringen und mit ihnen Spiele an mehreren Konsolen auszuprobieren. Damit auch die ältere Generation mehr Verständnis für das Gespielte aufbringen kann. Euphorische Schüler stellten nach dieser spielerischen Einführung die vormittags entstandenen Gruppenplakate ihren Eltern und den Lehrkräften vor. Horst Pohlmann vom Institut Spielraum der FH Köln hielt anschließend einen Vortrag über die Geschichte und die neuen Entwicklungen im Bereich der Computer- und Konsolenspiele, um dann das Mikrofon weiter zu reichen an Torben Kohring (Projektleiter ComputerProjekt Köln e.V), der in einer abschließenden Ansprache Eltern und Lehrer über den Inhalt und die Intention des „ComputerProjekt Köln“ unterrichtet und auch über den darin integrierten Teilbereich "Spieletester" aufklärte. Weiter wurden pädagogische Probleme und Vorgehensweisen im Umgang mit Computerspielen thematisiert. Die Ziele des Projekttages, die Aufklärung, die Reflexion und die Auseinandersetzung mit Computerspielen, konnten sowohl bei Eltern als auch bei Lehrkräften erfolgreich umgesetzt und vermittelt werden. Ein mehr als gelungener Start für ähnlich gelagerte Folgeprojekte.