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Passend zur Fußball-WM stellen wir Ihnen dieses Artikel erneut zur Verfügung. Nach dem historischen Rundgang in Sachen digitaler Kick im ersten Teil wird es Zeit im zweiten Teil den aktuellen Stand der Fußballspiele zu betrachten. Wo liegen die Stärken und Schwächen der aktuellen Fussballsimulationen, wohin geht die Entwicklung in Zukunft? mehr...
Bei Jugendlichen beinahe so beliebt wie der Fernseher: Online-Rollenspiele. Hier geht es neben dem Erleben von Abenteuern vor allem um das Kennenlernen und Kommunizieren mit Anderen. Chatprogramme im Spiel ermöglichen die schriftsprachliche Kommunikation von Spielern untereinander. Redet man über Jugendmedienschutz, gehört dieser Punkt mit auf die Tagesordnung.
von Bastian Kreusing"Chatten" ist längst ein fester Bestandteil jugendkultureller Kommunikation, bereitet jedoch Eltern und Pädagogen bisweilen Kopfzerbrechen. Geschützt durch die Anonymität des Internets, nutzen immer wieder Pädophile und Sexualstraftäter via Chat den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Aus diesem Grund warnt die Polizei vor dubiosen Chatangeboten, insbesondere wenn sie sich an Kinder richten. Oft geben sich Erwachsene als Kinder oder Jugendliche aus und knüpfen so erste Kontakte. Regelmäßiges Chatten über einen längeren Zeitraum schafft die Illusion eines freundschaftlichen Vertrauensverhältnisses. Nicht selten bleibt es am Ende nicht nur beim Schriftverkehr. Motiviert von Neugier und Abenteuerlust und gelockt von falschen Versprechungen, arrangieren die angeblichen Chatfreunde persönliche Treffen auf neutralem Boden. Beispiele aus der Vergangenheit unterstreichen die ernsthafte Dringlichkeit der Lage.
Fälle aus der Vergangenheit
Ein 12-Jähriges Mädchen aus Hessen stieg im Jahr 2000 ins Auto ihrer Chatbekanntschaft aus Aachen. Zwei Täter missbrauchten sie in den folgenden Stunden mehrfach. Im Dezember 2002 traf sich eine ebenfalls 12-Jährige aus Braunschweig mit einem weitaus älteren Mann, ihrem Chatfreund aus Magdeburg. Es kommt zur Vergewaltigung. Anfang 2003 entkamen zwei 14-Jährige nur knapp einem Familienvater. Einem ersten Kennenlernen im Chat folgte bald ein Treffen mit dem Mann. Bei der ersten Verabredung schenkt er ihnen jeweils ein Handy. Als er beim zweiten Treffen Pornobilder von ihnen machen wollte, wurde er durch die Anzeige einer wachsamen Nachbarin von der Polizei an der Tat gehindert.
Bekannt gewordene Einzelfälle oder eine echte Bedrohung? Viele Opfer werden bis heute gar nicht von der Statistik erfasst. Sind die weiblichen Opfer beispielsweise über 14 Jahre alt und nicht beweisbar vergewaltigt worden, wird der Missbrauch nicht weiter verfolgt. Vermutlich ist demnach die Anzahl von Missbrauchsfällen, in denen die Täter nie zur Rechenschaft gezogen wurden, deutlich höher als zunächst angenommen.
Polizei und Medienpädagogen raten aufgrund der Ereignisse in der Vergangenheit zu einem kontrollierten Umgang mit den modernen Kommunikationsmedien. Besonders wichtig ist hierbei, dass Eltern mit Ihren Kindern über Ihre Erlebnisse sprechen. Gefährlich wird es, wenn Kinder und Jugendliche frei über das Maß und den Zeitpunkt von Internetangeboten verfügen können. Ein weiteres Problem stellt sich bei der Frage, wie und wo überhaupt gechattet werden kann?
Es gibt zahllose Anbieter von Chatkommunikationssoftware. Neben den einschlägig bekannten, gibt es jedoch alternative, von Jugendlichen zum Teil stark genutzte, Möglichkeiten. Eine dieser Möglichkeiten ist der der so genannte In-Game-Chat in Online-Rollenspielen.Chatten in Onlinespielen
8 Millionen registrierte Nutzer weltweit, davon über 1,5 Millionen in Europa, machen das Onlinespiel "World of Warcraft" zu einem Superlativ auf dem Computerspielsektor. Das Spielprinzip ist schnell erklärt. Der Spieler sucht sich aus einer vorgegebenen Menge von unterschiedlichen Spielfiguren eine aus. Zum Teil können Aussehen und physische Fähigkeiten der Figur den Wünschen des Spielers entsprechend modifiziert werden. Diese Figur ist fortan der so genannte "Avatar" des Spielers, mit dem er die digitale Fantasywelt von "World of Warcraft" betritt. Doch er ist nicht alleine. Zusammen mit tausenden anderen Spielern gilt es nun Abenteuer zu erleben, einem Beruf nachzugehen und virtuelles Geld zu verdienen. Die Kommunikation der Spieler untereinander ist hierbei natürlich ein zentraler Bestandteil des Spielkonzeptes. Will beispielsweise ein Spieler einen Gegenstand verkaufen, den der Avatar des Spielers im Spiel erwirtschaftet hat, richtet er sich in der Regel via Chat an andere Spieler. Besteht Interesse, kommt man ins Gespräch. Dies geschieht in der Regel über die integrierte Chatfunktion des Spiels. So kann es schnell passieren, dass die Spielhandlung zur Nebensache wird.
Der Wolf im Schafspelz
Kommunikation unter Spielern ist durchaus gewollt. So gibt es im Spiel sogar virtuelle Räume, wie Kneipen oder Lagerfeuersituationen, deren Hauptfunktion darin besteht, als kommunikatives Zentrum zu dienen. Gechattet wird entweder in aller Öffentlichkeit (so dass alle Spieler der Umgebung das Geschriebene lesen können) oder privat. Derartige, für andere Nutzer nicht wahrnehmbare, Unterhaltungen sind anonym – und mehr noch: Der Verfasser der Nachrichten spricht durch die Maskerade einer Spielfigur. Es entsteht eine Art maskierte Face-to-Face Situation, die das Gegenüber leicht ausnutzen kann. Es wird in der Regel angenommen, dass man aus bestimmten Merkmalen und Eigenschaften der Figur Rückschlüsse auf den Spieler ziehen kann. So kann der, der es darauf anlegt, leicht als sympathisch oder ungefährlich wahrgenommen werden, wenn er z.B. eine besonders lustig oder kindlich aussehende Figur spielt, oder seinen Avatar mit einem anderen Geschlecht versieht. Derart maskiert können durch visuelle Reize Sympathieempfindungen gezielt manipuliert werden.
Allerdings ist in diesem Zusammenhang auch darauf hinzuweisen, dass in der Regel die Spiele nur als Mittel zur Kontaktaufnahme genutzt werden. Intensivere Gespräche werden meistens auf alternative Möglichkeiten außerhalb des Spiels verlagert. Dennoch ist im Zuge eines sinnvollen Jugendmedienschutzes darauf hinzuweisen, dass Chatkommunikation auch im Rahmen alternativer Internetangeboten möglich ist - auch außerhalb der Chaträume. Am besten ist ohnehin, Kinder im Rahmen eines vertrauensvollen Gesprächs über die Gefahren aufzuklären.
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