10 Tipps für Jugendhilfe

Einrichtungen der Jugendhilfe nehmen eine wichtige Rolle im Leben vieler Heranwachsender ein. Hier kann ein Raum entstehen, in dem sie sich angenommen fühlen, mit Gleichgesinnten Zeit verbringen, erwachsenen Bezugspersonen von Erfahrungen berichten und darüber ergebnisoffen reflektieren können. Dazu gehören auch Erlebnisse in und mit digitalen Spielen. Zudem besteht ein kreativer Rahmen, in dem allerlei spannende Games-Projekte und kreative Erprobungsräume abseits von Lehrplänen initiiert werden können. Wo elterliche Sorge und Fürsorge fehlen, dort kann die Jugendarbeit reagieren, indem sie problematische Entwicklungen erkennt und thematisiert.

Haltung einnehmen!

Als Erzieher/in oder Pädagoge/in müssen Sie digitale Spiele nicht lieben, um sich mit Gamer/innen auseinanderzusetzen. Es ist eine Frage der Haltung. Ziel sollte es sein, gleichsam für Kinder, Jugendliche und Eltern ein ernst genommener Partner zu sein.

Wer das Hobby von Kindern und Jugendlichen pauschal verurteilt, findet vermutlich keinen Zugang zu ihnen. Dies erschwert auch die kritische Auseinandersetzung. Denn Gamer/innen wollen über ihre Medienerlebnisse berichten (dürfen) und von Erwachsenen ernst genommen werden. Eine vertrauensvolle Basis ist dabei der Nährboden für die sinnvolle Erziehung.

Dies bedeutet allerdings nicht, alles gut zu heißen, was die Gamer/innen so berichten. Und auch beim Spielen muss es verbindliche Regeln geben. Grundsätzlich gilt, das Freizeitinteresse von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen und verstehen zu wollen. Hinzu kommt das nötige kritische und distanzierte Beurteilungsvermögen der Inhalte und nicht zuletzt ein gewisses Maß an kreativen Ideen für ansprechende Projekte, die über den bloßen Konsum hinausgehen.

Warum nicht die eigene Einrichtung in Minecraft nachbauen? Oder ein Let`s Play-Projekt durchführen?
Fragen Sie die Kinder und Jugendlichen nach ihren Interessen. Oder sprechen Sie uns an. Wir vom Spieleratgeber-NRW entwickeln gerne mit Ihnen ein medienpädagogisches Konzept oder vermitteln kompetente Ansprechpartner vor Ort.

 

Spielen Sie mit!

Gerade in der Jugendarbeit: Lassen Sie sich von den Jugendlichen einen Crashkurs im Computerspielen geben. Sie erklären Ihnen bestimmt gerne, was zu tun ist und worum es geht. Seien Sie nicht frustriert, wenn Sie anfangs immer verlieren – schließlich sind die Spieler/innen Experten und geübt im Umgang mit Maus und Gamepad. Sie werden feststellen, wie dankbar Kinder und Jugendliche sein können, wenn sich ein Erwachsener für ihr Hobby interessiert. Neben dem Spaß können Sie sich ein Bild darüber machen, was an einem Spiel fasziniert und ob Inhalte vorkommen, die Sie als ungeeignet erachten. Über das Spielen finden Sie einen tieferen Zugang zu den Kindern und Jugendlichen und können Themen ihrer medialen Lebenswelt aufgreifen und miteinander ins Gespräch kommen.

 

Suchen Sie Anknüpfungspunkte für Aktionen!

Computerspiele können auch abseits des Bildschirms thematisiert werden. Viele Spiele verweisen auf die alltäglichen Interessen und Träume von Kindern und Jugendlichen. Bei den Sportspielen ist dies noch offensichtlich. So battlen sich auch auf PlayStation, Xbox & Co die Lieblings-Fußballmannschaften. Dies lässt sich natürlich in einem Turnier auf dem Bolzplatz aufgreifen. Auch Musik-, Knobel-, oder Abenteuerspiele bieten solche Anknüpfungspunkte. Sei es das Nachbauen von Konstruktionen aus Denkspielen, wie hier beispielhaft geschehen, oder einfach ein Jump&Run, wie "Super Mario" nach Draußen verlegen, indem man gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen nach dem virtuellen Vorbild einen Kletterparcours errichtet. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

In unserer Rubrik Praxisprojekte finden Sie zahlreiche spannende Anregungen.

 

Mitgebrachte Spiele sorgfältig prüfen!

Mitarbeiter/innen aus der Jugendhilfe kennen dieses Szenario: Kinder und Jugendliche bringen voller Stolz ihre Lieblingsspiele von zu Hause mit und wollen sie gemeinsam mit Freunden in der Einrichtung spielen. Hier ist besondere Vorsicht geboten:

Zunächst sollten Sie prüfen, ob es sich dabei um eine Raubkopie handelt. Spiele auf gebrannten DVDs oder anderen Datenträgern können auf eine Urheberrechtsverletzung hinweisen. Da viele Spiele heute gratis angeboten werden, muss dies allerdings nicht der Fall sein.

Weiterhin sollte die Alterskennzeichnung der USK geprüft werden. Minderjährigen ein nicht altersgerechtes Spiel zugänglich machen zu dürfen, ist allein den Sorgeberechtigten vorbehalten. Da in einer Jugendeinrichtung meist Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters sind, muss zudem gewährleistet sein, dass Jüngere keinen Einblick auf das Geschehen auf dem Bildschirm haben – selbst wenn sie nicht aktiv spielen. Dies ist meist nur durch einen abgeschlossenen Raum oder strengen Kontrollen realisierbar. Eine Zuwiderhandlung kann strafrechtliche Konsequenzen für die Einrichtung haben.

Auch Spiele auf Smartphones und Tablets können problematische Inhalte aufweisen. Diese tragen allerdings kein Alterskennzeichen, wie es bei Spielen auf DVD oder Blu Ray Disk üblich ist (siehe Jugendschutz). Sie können sich das Spiel einfach zeigen lassen. Bei einem offensichtlich problematischen Inhalt sollten Sie ihre Haltung deutlich machen und das Gespräch suchen.

 

Die rechtlichen Vorschriften unbedingt beachten!

Virtuelle Spielwelten sind keine rechtsfreien Räume. Die in unserer Rubrik genannten Regelungen gilt es auch in der Schule zu beachten.

Zunächst müssen sich Erzieher/innen und Pädagog/innen zwingend an das deutsche Jugendschutzgesetz halten und – verkürzt gesagt - Kindern keine Spiele zugänglich machen, die für ihr Alter nicht geeignet sind. Dies bedeutet, dass auf den Computern und Konsolen keine Spiele angeboten werden dürfen, die nicht altersgerecht sind. Wenn z. B. ein Spiel, welches gemäß der USK-Kennzeichnung ab 16 Jahren freigegeben ist, auf einer LAN-Party gespielt werden soll, auf der auch jüngere Jugendliche anwesend sind, so muss dies in einem separaten Raum geschehen, der nur unter Nachweis des entsprechenden Alters betreten werden darf.

Die USK zum Einsatz von Filmen und Computerspielen: „ […]Sofern Sie im Einzelfall von der Altersfreigabe abweichen möchten, weil einzelne Schüler und Schülerinnen die Altersgrenze (12 oder 16 Jahre) noch nicht erreicht haben, holen Sie die Schriftliche Einwilligung der Eltern ein. Nicht gekennzeichnete Filme oder Spiele dürfen Minderjährigen im Unterricht nicht gezeigt werden. Ob das Vorführen ohne Einverständniserklärung der Eltern eine Ordnungswidrigkeit nach dem Jugendschutzgesetz darstellt, wird in der Rechtsprechung und Literatur unterschiedlich bewertet, so dass das Einholen einer schriftlichen Einverständniserklärung möglichen Problematiken vorbeugt.“

 

Spiele ohne Alterskennzeichen beachten!

Hier ist besondere Vorsicht geboten. Es kann sich z. B. um ein älteres Spiel oder um einen Import aus dem Ausland handeln. Im schlimmsten Fall ist dieses Spiel indiziert oder gar verboten und gehört keinesfalls in die Hände Minderjähriger. Eine Recherche im Internet (z. B. bei der USK oder bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien BPjM) kann hilfreich sein.

Sonderfall Online- und Smartphone-Spiele

Viele Jugendeinrichtungen verfügen über geringe technische Möglichkeiten. Computer eignen sich oftmals nur zu Internet-Spielen mit geringen Systemanforderungen. Sind diese ausschließlich online verfügbar und nicht auf einem Datenträger veröffentlicht (z. B. CD-Rom, DVD-Rom), unterliegen sie keiner Kennzeichnungspflicht seitens der USK. Gleiches gilt für die meisten Spiele, die Jugendliche auf ihren Smartphones oder Tablets nutzen. Hier werden zwar inzwischen Alterskennzeichen von der USK angezeigt, diese sind allerdings nicht gesetzlich bindend (siehe IARC). Ob ein Spiel im Internet oder dem Smartphone altersgerecht ist, müssen Sie als Verantwortliche/r eigenmächtig entscheiden. Daher sollten Sie sich umfassend über das jeweilige Produkt informieren und auch mal selbst einen Blick auf das Geschehen werfen, bevor Sie ein Spiel Kindern und Jugendlichen zugänglich machen.

Weitere Informationen, wie Alterskennzeichen festgelegt werden, finden sich hier.

Bei installierter Spielesoftware dürfen selbstverständlich keine illegalen Downloads oder Raubkopien verwendet werden, da dies gegen das Urheberrecht verstößt. Weitere Informationen dazu finden sich hier.

Einen detaillierten Überblick hinsichtlich Rechtsfragen im Netz bietet klicksafe in Zusammenarbeit mit iRights. 

Bei Fragen zum Jugendschutz können Sie uns vom Spieleratgeber-NRW gerne kontaktieren.

 

Auf vorhandene Ideen aufbauen!

Fachkräfte müssen das Rad nicht neu erfinden. Mittlerweile finden sich zahlreiche erprobte Methoden und Praxisprojekte, die annektiert werden können.

Das Angebot Games Kompakt des Medienpädagogen Jürgen Sleegers bietet zahlreiche Methoden und wertvolle Tipps für die sinnbringende Nutzung von Games in Jugendeinrichtungen und der Familie.

Die Online-Kompetenzplattform Digitale-Spielewelten.de stellt Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern und Interessierten Informationen und Praxismaterialien rund um das Thema digitale Spiele zur Verfügung und liefert damit zahlreiche medienpädagogische Ideen für einen kritischen und kreativen Umgang mit digitalen Spielen. Die Materialien werden von verschiedenen Akteuren aus der Spielekultur zur Verfügung gestellt und kontinuierlich erweitert

Die mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aufgebaute Plattform Lehrer-Online [http://www.lehrer-online.de] ist ein Service- und Informationsportal rund um den Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Auch hier finden sich zahlreiche Projektberichte und Methoden.

Der Medienpädagogik Praxis-Blog der beiden engagierten Medienpädagogen Eike Rösch und Tobias Albers-Heinemann bietet Materialien, Methoden, Projektbeispiele, Tipps, Tricks und aktuelle Informationen für die medienpädagogische Praxis in Jugendarbeit und Schule.

Der Spieleratgeber-NRW sammelt Praxisprojekte. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gerne und stellen auf Wunsch einen Kontakt zur entsprechenden Fachkraft her.

 

Die „sichere“ LAN-Party in der eigenen Einrichtung!

In vielen Einrichtungen der Jugendhilfe werden LAN-Partys veranstaltet – und das mit großem Erfolg. Kein Wunder, denn auch in Zeiten des Internets macht das räumliche Treffen, das Vernetzen der Rechner und das Spielen mit- und gegeneinander viel Spaß.
Für die Veranstalter ist die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen immens wichtig. Auf die sichere Seite begeben sich Veranstalter, wenn nur Spiele angeboten werden, die für das Alter aller Teilnehmer/innen freigegeben sind. So sollte man bereits im Vorfeld gemeinsam mit den Spielern eine Auswahl an geeigneten Titeln erstellen und sich darüber im Internet informieren.
Gerade weil sich viele kommerzielle Anbieter von LAN-Partys rechtlich absichern, indem sie ihre Veranstaltungen ausschließlich Erwachsenen zugänglich machen, ist es umso wichtiger, auch Kindern und Jugendlichen ein solches altersgerechtes Angebot zu machen.

Zudem gilt es noch weitere gesetzliche Richtlinien zu beachten (siehe Jugendschutzgesetz):

  • die Gewährleistung der Aufsichtspflicht,
  • die Aufenthaltsdauer von Kindern und Jugendlichen bei öffentlichen Veranstaltungen,
  • der Verbot von Alkohol und Tabak in der Öffentlichkeit
  • die geltenden Vorschriften zum Urheberrecht.

Wir vom Spieleratgeber-NRW beraten Sie gerne hinsichtlich geeigneter Spiele oder der Durchführung einer LAN-Party.

 

Eltern und Kolleg/innen mit ins Boot holen!

Wenn es um digitale Spiele geht, sind viele Eltern verunsichert. Dies liegt zum einen an dem mangelnden persönlichen Erfahrungsschatz und zum anderen an negativer Berichterstattung. Auch Konflikte mit dem eigenen Kind können Ursache für Vorbehalte sein.
Eltern brauchen deshalb Erfahrungsräume, in denen sie die Faszinationskraft von Computerspielen nachempfinden und reflektieren können. Auch im Kollegium wird die Behandlung von Games ggf. kritisch wahrgenommen.

Zur Vorbereitung auf künftige Projekte oder zur Sensibilisierung können beispielsweise Flyer und Publikationen ausgelegt oder verteilt werden. Beispielsweise stellt die Landesanstalt für Medien NRW eine Vielzahl an Broschüren zu unterschiedlichen Medienthemen bereit, die sich an diverse Zielgruppen richten und kostenlos über das Online-Bestellsystem angefordert werden können, um sie in der Einrichtung auszulegen. Darunter finden sich auch die zahlreichen informativen Materialien von klicksafe oder dem Internet-ABC.

Auch die USK bietet eine Broschüre und einen Elternratgeber, die in Kooperation mit dem Spieleratgeber-NRW entwickelt wurde.

Weiterhin kann auch eine medienpädagogische Veranstaltung Eltern und Kolleg/innen informieren.

Seit 2008 bietet der Spieleratgeber-NRW in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung, der Akademie Remscheid und spielbar.de Eltern- und Pädagogen-LANs an. Bei der Eltern-LAN erhalten Eltern und pädagogische Fachkräfte die Möglichkeit, eigene Computerspielerfahrungen zu sammeln und sich über Inhalte und Wirkungen virtueller Spielwelten zu informieren.

Darüber hinaus findet ein Austausch mit jugendlichen Gamern und MedienpädagogInnen statt. Seit 2012 gibt es die Möglichkeit, Eltern-LANs auch vor Ort durchzuführen. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Seite der BpB, ebenso können Sie dort eine Anfrage stellen.

Mit der Initiative Eltern+Medien greift die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) seit 2007 den deutlich gestiegenen Orientierungs-, Beratungs- und Aufklärungsbedarf von Eltern in der Medienerziehung ihrer Kinder auf. Sie unterstützt Kindergärten und Kitas, Schulen und Familienzentren, aber auch Elternvereine und andere Initiativen bei der Planung und Organisation von medienpädagogischen Elternabenden. Zum Angebot der Initiative Eltern+Medien gehört u. a. die Vermittlung qualifizierter Referent/innen zum Thema digitale Spiele an die Einrichtungen vor Ort und die Übernahme der anfallenden Honorarkosten.

 

Kompetente Partner suchen!

Viele Jugendeinrichtungen sind technisch nicht auf dem neuesten Stand. Daher sollten Fachkräfte ihre Fühler nach geeigneten (lokalen) Kooperationspartnern ausstrecken.
Beispielsweise haben zahlreiche Bibliotheken digitale Games als neues (Ausleih-)Medium für sich entdeckt und in diesem Zuge eigene Konsolen angeschafft und spannende Konzepte entwickelt.
Auch die Medienzentren haben einen Fundus an Gerätschaften, ggf. auch Konsolen, die ausgeliehen werden können.

Die Medienberatung NRW bietet Unterstützung bei der Umsetzung von Angeboten zur Medienkompetenzvermittlung. Die Medienberatung NRW ist ein gemeinsames Angebot des LVR-Zentrums für Medien und Bildung und des LWL-Medienzentrums für Westfalen im Auftrag des Landes NRW und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Über diese Schnittstelle können regionale Ansprechpartner/innen gefunden werden.

Der Medienpädagogische Atlas NRW bietet eine umfangreiche Online-Datenbank mit Informationen zu Einrichtungen und Ansprechpartnern, die in NRW medienpädagogisch arbeiten und mit ihren Angeboten und Aktivitäten medientheoretische und -praktische Kompetenz vermitteln.

Sie suchen weitere medienpädagogische Angebote oder Partner? Wir vom Spieleratgeber-NRW beraten Sie gerne in Detailfragen oder erarbeitet mit Ihnen gemeinsam ein langfristiges Konzept. Sie können uns außerdem für Fortbildungen, Workshops, Praxistage oder Elternabende buchen. Hier finden Sie unser Agebot.